Seniorenbeirat der Landeshauptstadt Potsdam   Arbeitsgruppe "Zeitzeugen"

       

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C A F F E E

oder Kaffeekantate

Nach 1945 war „echter" Kaffee rar. Vielleicht

hatte man Glück, auf dem Schwarzmarkt

wenigstens ein paar Bohnen zu bekommen. Meist

waren sie nur ungeröstet. Dann wurde zuhause

auf einem Blech auf kleiner Gasflamme

„geröstet", also gewendet und gedreht. Das war

eine Kunst, bedeutete aber auch große Vorfreude

auf den baldigen Kaffeegenuss.

Ein Kollege erzählte einmal von solch einer

Nachkriegs-Kaffeezeremonie, die er mit seinen

Freunden erlebte.

Vier junge Männer wollten sich etwas Gutes tun.

Es musste nicht alkoholisch sein, aber es sollte

anregen. Einer von ihnen brachte schon

geröstete grüne Kaffeebohnen mit, 125 Gramm

das Tütchen. In der Hoffnung, jeder Haushalt

hätte eine Kaffeemühle in Besitz, hatte er auf den

Transport seiner eigenen verzichtet. Nun war

guter Rat teuer, denn natürlich besaß gerade der

Gastgeber keine Mühle. Großes Überlegen. Halt,

im Nachbarhaus war doch kürzlich eine gesehen

worden. Aber war sie nicht an der Innenseite der

Haustür angeschraubt? Sollte man zum netten

Junggesellen nebenan gehen und fragen, ob man

dort den Kaffee mahlen dürfe? Das würde

bedeuten, man müsste ihm etwas von der

Kostbarkeit abgeben. Von 125 Gramm für vier

Personen noch etwas opfern? Keinesfalls.

Hinübergehen, ihn im Wohnzimmer mit einem

Schwätzchen ablenken, während einer die

Bohnen mahlte? Das wäre zu laut. Also her mit

der Haustür samt Kaffeemühle! Aber wie?

Gesagt, getan, der Plan glückte. Einer verwickelte

den Hausherrn in ein ungemein wichtiges

Gespräch über die nächste

Wassergebührenerhöhung, wobei vorsorglich die

Zimmertür geschlossen wurde. Derweil hoben die

anderen drei Freunde die Haustür aus den

Angeln, trugen sie unter den verständnislosen

Blicken zweier Dorfbewohner ins eigene Haus,

drehten die Bohnen durch, pinselten jedes

Restchen Pulver des verräterischen Geruches

wegen ab, eilten mit der Tür zurück, hängten sie

ein und gingen das Kaffeewasser aufzusetzen.

Der Gesprächspartner meinte, nun sei es an der

Zeit sich artig zu verabschieden, er hatte seine

Aufgabe erfüllt. Nebenan im Haus der Freunde

duftete es schon unerhört anregend und man

trank mit Ah und Oh und Gelächter über die

ausgehobene Tür das köstliche Gebräu.

Da klingelte es an der Haustür. Der Nachbar

stand da, er hätte noch eine Frage zum eben

diskutierten Thema. „ Ich störe wohl gerade beim

Nachmittagskaffee?" Verlegen entschuldigte er

sich. Alle vier am Tisch erstarrten. Hatte er etwas

gemerkt? Müssten sie nun doch eine Tasse Kaffee

abgeben? Nein, ganz anders! Der Nachbar

meinte, er möge keinen Bohnenkaffee, hätte aber

schon lange ein Viertelpfund Bohnen liegen, ob

wir sie die haben wollten.

Sie könnten sie auch gern in seiner Kaffeemühle

mahlen.