Seniorenbeirat der Landeshauptstadt Potsdam   Arbeitsgruppe "Zeitzeugen"  

                                                   

 

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MARIETA GEHLMANN







 

Strandgut

In meinen letzten Arbeitsjahren verbrachten mein Mann und ich im Frühjahr immer zwei Urlaubswochen auf der spanischen Insel Mallorca.  Wir wohnten dann jedes Mal im gleichen Ferienort an der Ostküste. Hier konnte ich mich gut vom Arbeitsstress erholen. Wir unternahmen lange Strandspaziergänge oder fuhren mit den Linienbussen über Land und besuchten die jeweils ortsüblichen Märkte.

In den zwei Wochen unseres letzten Aufenthaltes dort im Jahr 2015 hatten wir an drei Tagen eine Wetterlage mit hohen Windgeschwindigkeiten. Die Wellen des Mittelmeeres schlugen sehr hoch, bevor sie mit viel Getöse das Ufer erreichten. Wir Landratten staunten nicht schlecht, welch eine Kraft das Wasser entwickeln kann. Beim Gang auf der Strandpromenade mit Blick zum tobenden Meer sah ich unregelmäßig am Strand verstreut liegende farbige Gegenstände, die meine Neugier weckten.

An der Ostsee sammelte ich gerne Strandgut nach stürmischen Tagen. Hatte ich Glück, dann war sogar ein kleiner Bernstein oder ein versteinerter Seeigel dabei. Was lag hier im Sand und leuchtete in verschiedenen Farben zwischen dem sonstigen angeschwemmten Sammelsurium? Immer aufpassend, dass mich keine neue Welle erreichte, ging ich näher an dieses Strandgut heran. Da sah ich neben diversen Holzabfällen, Flaschenverschlüssen, Einwegspritzen, leeren Plastikflaschen, einigen Muscheln und Tang auch Plastikspielzeug liegen. Kinder am Strand haben wahrscheinlich beim Spielen ihre Schippen, Harken, Siebe und Buddelförmchen aus den Augen verloren, und mit der nächsten Welle wurden diese hinaus aufs Meer gespült. Ich fragte mich: Von welchem Strand und wann sind sie bis an die Ostküste Mallorcas gelangt? Das Mittelmeer ist groß, und Teile aus Plastik werden im Meerwasser erst in 350 bis 400 Jahren zersetzt!

In einem wissenschaftlichen Bericht habe ich gelesen, dass jährlich zirka sechs bis acht Millionen Tonnen Plastikmüll in unsere Ozeane gelangen. Diese Hinterlassenschaften der Weltbevölkerung verursachen Schäden, die nicht wieder rückgängig zu machen sind. Kleinste Plastikteile werden von Meerestieren mit ihrer Nahrung aufgenommen. Diese können daran verenden, oder wir Verbraucher nehmen kontaminierten Fisch mit unseren Mahlzeiten ein. Indem ich die Fundstücke in meinem Rucksack verstaute, wurde mir bewusst, wie sorglos wir mit unserer Umwelt umgehen.

Nach diesem Urlaub am Mittelmeer traf sich unsere Familie während der Osterfeiertage an der Ostsee. Die Enkelkinder freuten sich über zwölf Schippen, drei Harken, vier Siebe und achtzehn verschiedene Buddelformen. Diese waren alle im besten Zustand und vom Meerwasser keimfrei gehalten worden. Wir haben in der Familie über dieses Thema gesprochen und im Internet hierzu erfahren, dass sich viele Wissenschaftler darüber austauschen, mit welchen Methoden unsere Meere und Ozeane von Plastikmüll zu befreien wären.