Seniorenbeirat der Landeshauptstadt Potsdam   Arbeitsgruppe "Zeitzeugen"

       

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Unschuldig verurteilt.

Als ich gerade 15 Jahre alt war, befand sich meine

Mutter in dem bekannten Krankenhaus, der

Universitätsklinik der „Charite“ zur Krebsbehandlung

und war längere Zeit nicht zu Hause. Die Behandlung

damals war noch sehr aufwendig und langwierig, man

steckte ja noch im Anfang der Behandlung mit der

Bestrahlung des Krebses. Mein Vater war im Januar

1955 gestorben und meine Mutter ist in die LPG

eingetreten. Meine Schwester (17) und ich waren auf

uns allein gestellt. Ab und zu kam unsere Tante

Frieda und sah nach dem rechten. Wie wir das alles

bewältigten, weiß ich heute nicht mehr, denn wir

hatten noch das Vieh zu versorgen, eine Ziege und

zwei Schweine und ein paar Hühner. Das Pferd hatten

wir in die LPG eingebracht und befand sich nicht

mehr in unseren Stall. Doch das Ackerland, was wir

noch hatten( zwei Morgen Land), musste auch

bestellt und bearbeitet werden. In den Schulferien

ergab sich die Möglichkeit den Briefträger zu

vertreten. So konnte ich etwas Geld zum Haushalt

dazu verdienen. Wir hatten ja nur die

Halbweisenrente und von der Oberschule bekam ich

ein kleines Stipendium. Meine Schwester bekam

Lehrlingsentgelt. Jedenfalls kamen wir irgendwie

über die Runden. Die Arbeit bei der Postzustellung

machte mir großen Spaß und ich war sehr eifrig

dabei. Manchmal bekam ich auch etwas Trinkgeld.

Ich hatte 14 Tage lang das Dorf mit Post und

Zeitungen zu versorgen. In der Postfiliale war neben

mir noch ein Mann mit seiner Frau tätig. Den Mann

hatte ich in seinem Urlaub zu vertreten. Ab und zu

war ich in der Postfiale und half auch mit bei der

Sortierung der Postsachen. Als die vierzehnTage um

waren, fehlte plötzlich aus einen der Fächer 45 Mark.

Das konnte nur ich mir genommen haben wurde

behauptet. Doch ich hatte dort niemals etwas

entnommen. Das Ende vom Lied, ich konnte mich

nicht verteidigen, es wurden mir von meinem

zustehenden Lohn von 90 Mark die 45 Mark

abgezogen. Ich habe also vierzehn Tage für 45 Mark

emsig gearbeitet und wurde so betrogen. Wer das

Geld nun entnommen hatte weiß ich nicht, aber es

muss jemand gewesen sein, der dort Zugang hatte.

Ein paar Jahre später wurde mir noch mal in der

Kneipe unterstellt, dass ich bei der Post geklaut

hatte. Diese Sache hat mir lange Jahre im Magen

gelegen und ich kann es bis heute nicht vergessen.

Den Sohn der Postfamilie, fünf Jahr älter als ich,

hatte ich in den letzten Jahren öfter gesehen und

auch einmal in dieser Sache angesprochen. Er hatte

von dieser Sache keine Kenntnis erhalten.

Ich wurde damals sehr unschuldig verurteilt.