Seniorenbeirat der Landeshauptstadt Potsdam   Arbeitsgruppe "Zeitzeugen"

       

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Wegwerfgesellschaft

Es ging schon eine ganze Weile so, daß unser Schloß in der zum Keller führenden Tür

nicht auf Anhieb funktionierte .Ich zog mir dafür schon einige Beschwerden meiner

Frau wegen Faulheit zu. Nachdem es aber auch mir mehrfach den Dienst

verweigerte, beschloß ich ein neues Schloß zu kaufen.

Ich baute es aus und suchte erst einmal die Fehlerquelle. Und siehe da, der

Mitnehmer, der den Riegel mit dem Schlüssel bewegen soll, war nach über 80 Jahren

einfach abgeschliffen. Nachdem ich mir das Schloß genau beschaute, war es so

konstruiert, daß man mit dem umdrehen des Riegels und einer nochmaligen

Vernietung das Schloß wieder nutzen kann. Vor achtzig Jahren hatte man daran

gedacht, daß man mit solchen Abnutzungserscheinungen rechnen muß und man hatte

diese Möglichkeit eingeplant. Heute werden solche Möglichkeiten gar nicht

vorgesehen, sondern im Gegenteil, es wird ein Gerät so entwickelt, daß es nach einer

bestimmten Zeit erneuert werden muß. Oder es müssen ganze Baugruppen

ausgetauscht werden. Eine Reparatur wird annähernd so teuer, wie der Kauf eines

Neugeräts. Bei meinem Drucker war nur die Erneuerung der Filzschiene zur

Aufnahme von überflüssiger Tinte zu erneuern. Preis der Reparatur Preis 50 €, doch

für 65 € erhielt ich schon einen neuen Drucker mit Tinte und drei jähriger Garantie.

Wäre ich mit meinem Schloß zum Bauhaus gegangen ohne nachzudenken, hätte ich

nach einem geeigneten Schloß suchen müssen und ich bin nicht sicher, ob ich es

gleich gefunden hätte, So habe ich jedenfalls Geld und Material gespart.

Auch zu DDR Zeiten war durch die Mangelwirtschaft nicht immer alles zu kriegen

und dann oft recht teuer. Wurde etwas auseinander genommen, dachte man immer

nach, wofür es noch Verwendung finden könnte. Wurde ein Gebäude abgerissen,

wurden die Ziegelsteine von Mörtelrückständen befreit, aufgestapelt und bei

passender Gelegenheit wieder eingesetzt. Das betraf allerdings nur den privaten

Sektor, weil man solche Baustoffe ohne Kontingent schwer bekam.

Als ich 1986 nach Westberlin reisen konnte, stellte ich fest, daß schöne Möbel auf

der Straße standen und ich darüber nur den Kopf schüttelte. Als ich sah, daß meiner

Tante auf dem Flur eine Ablage fehlte, dachte ich, da ich das schnell ändern kann. Ich

machte mich auf den Weg zu dem herum stehenden Sperrmüll, um ein entsprechendes

Schrankseitenteil abzubauen, was ich dann bei meiner Tante als Ablage einsetzte.

Heute ist es bei uns nicht anders, gebrauchte Möbel werden auch in den Sperrmüll

gegeben, obwohl so manches junge Pärchen es für die erste eigene Wohnung

gebrauchen könnte. Aber langsam beginnt das Umdenken in der Gesellschaft, es

werden die Handys nicht mehr weggeschmissen, sondern recycelt, wie man es heute

nennt.

Bestimmt werden unsere Müllhalden von den kommenden Generationen, noch als

Goldgruben angesehen werden, denn die Ressourcen sind endlich und nicht

unerschöpflich.